E-Residency: Werden Sie virtueller Bürger von Estland…

Das kleine EU-Land Estland ist in vieler Hinsicht fortschrittlicher als die Bundesrepublik. Im Gegensatz zum überregulierten, bürokratischen und schwerfälligen Deutschland ist Estland ein unternehmerfreundliches Land. Vielleicht nicht ganz so spektakulär wie Hongkong oder Singapur, aber zweifellos innerhalb der EU eines der besten Länder. Das liegt auch daran, dass Estland eine hervorragend ausgebaute elektronische Infrastruktur hat, wo nahezu alle Behördenkontakte online abgewickelt werden können. Um diese Dienstleistungen auch Ausländern zur Verfügung stellen zu können,die in Estland ein Unternehmen betreiben wollen oder sonst einen Grund haben, die estländische Infrastruktur zu nutzen, gibt es jetzt eine elektronische Staatsbürgerschaft in Form einer Chipkarte mit Signatur.

Keine Staatsbürgerschaft, kein Aufenthaltsrecht, Kein Reisedokument – Was kann die neue Karte aus Estland?

Estland e-residency

Estlands Hauptstadt Talinn

Zunächst einmal: Bei der elektronischen Staatsbürgerschaft erhält man eine Chipkarte, die aber nur Zugriff auf alle elektronischen Regierungseinrichtungen bietet. So kann man in Estland Unternehmen online gründen, Steuererklärungen online abwickeln und überhaupt nahezu alle Behördenangelegenheiten online abwickeln. Estland ist nicht umsonst ein führendes Land in Sachen e-Government. Irgendwelche weitergehenden Rechte sind mit dem Dokument aber nicht verbunden. Die Karte macht Sie nicht zum vollwertigen estländischen Staatsbürger – es handelt sich um eine reine e-Residency.

Immerhin: Die elektronische Signatur gilt nicht nur innerhalb Estlands, sondern in allen EU-Staaten, kann also auch beim Kontakt mit deutschen Banken oder Behörden benutzt werden. Genial: Auch bei der Eröffnung von Bankkonten in Estland kann die Karte als gültiges ID-Dokument eingesetzt werden und so das Eröffnen von Bankkonten ohne Anreise ermöglichen.

Wie wird man e-Resident?

Das Angebot ist brandneu – und daher gestalte sich die Ausgabe der Karten zur Zeit noch etwas umständlich, denn es ist derzeit noch erforderlich, nach Estland zu reisen, und sich dort auf einer Polizeistation zu identifizieren (Ausweispapiere nicht vergessen). Allerdings arbeite man bereits daran, die virtuelle Staatsbürgerschaft in Zukunft auch über die estländischen Botschaften und Konsulate zugänglich zu machen, was den Zugang zur e-Residency wesentlich vereinfachen wird. Noch ist es allerdings nicht so weit. Bis die elekronische ID-Card auch über die estländischen Botschaften erhältlich sein wird, wird noch etwas Zeit vergehen. Immerhin, voraussichtlich soll dies noch innerhalb des kommenden Jahres in Gang kommen. Die Kosten für die virtuelle Staatsbürgerschaft belaufen sich auf 50,-€.

Photo by Adrián Pérez 

Über den Autor Markus

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