E-Residency: Warum eine Firma in Estland perfekt für digitale Nomaden ist. Die ideale Lösung für ortsunabhängige Unternehmer?

Estland ist in zu einem interessanten Standort für Unternehmensgründungen geworden. Es gibt viel, was für eine Firma in Estland spricht. Zum einen ist da die unkomplizierte Gründung. Wenn Du e-Resident von Estland bist, kannst Du die komplette Firmengründung mit Hilfe der e-Residency-Karte in guten zwanzig Minuten erledigen.  Auch ein Geschäftskonto in Estland zu bekommen, ist überhaupt kein Problem. Eine estländische GmbH ist darum ein tolles Vehikel, wenn Du in der EU geschäftlich tätig werden willst.

Die estländische Limited: Perfekt für Geschäfte in der EU

Du kannst für Deine estländische Gesellschaft eine EU-Steuernummer bekommen und damit Rechnungen für EU-Kunden schreiben, die Vorsteuer geltend machen können. Ab einem Umsatz in Höhe von ​40.000 pro Jahr, musst Du das sogar, weil Du dann Umsatzsteuer in Estland abführen musst. Der reguläre Mehrwertsteuersatz in Estland beträgt 20 %, also 1 % mehr als in der Bundesrepublik. Immerhin, bist Du mehrwertsteuerpflichtig, so kannst Du in Estland selbstverständlich auch Vorsteuer geltend machen.

Mit dem estländischen Konto hast Du ein tolles Geschäftskonto im SEPA-Raum, mit dem Du problemlos Überweisungen von allen EU-Kunden akzeptieren kannst. Eine Rechnung von einer estländischen Firma versursacht in der Buchhaltung von Kunden aus der EU keine Probleme, im Gegensatz zu Rechnungen aus klassischen Offshore-Destinationen wie beispielsweise den Seychellen oder Mauritius. Bei den letzteren machen die Finanzämter Schwierigkeiten und erkennen solche Rechnungen oft nicht.

Die Gründung ist einfach und unkompliziert

Die Gründung erfolgt online und ist in kürzester Zeit erledigt. Du brauchst für Deine estnische Firma eine Geschäftsadresse in Estland, die von diversen Gründungsagenturen schon für kleines Geld (um 20 Euro / Monat) angeboten wird.

Natürlich braucht eine solche Firma eine funktionierende Buchhaltung und muss selbstverständlich auch einen Jahresabschluss einreichen und eine Steuererklärung abgeben.

Bei der Buchhaltung kann ebenfalls eine preiswerte Agentur aus Estland zum Einsatz kommen, die Dir auch beim Jahresabschluss und der Steuererklärung behilflich sein wird.

Die Gründung der estnischen Limited (OÜ) in der Praxis:

Um eine Firma in Estland zu gründen brauchst Du nicht viel. Vergleiche das mal mit einer GmbH-Gründung in Deutschland, die sich schnell über Wochen hinziehen kann, das Vielfache kostet und den persönlichen Termin beim Notar erfordert. Am einfachsten hast Du es, wenn Du mit der Firmengründung in Estland eine Agentur wie LeapIN beauftragst, die den kompletten Vorgang für Dich managen.

Voraussetzungen um eine Firma in Estland zu gründen:

  • e-Residency Card: Du musst e-Resident sein und brauchst die entsprechende Smartcard und den dazu gehörigen Kartenleser sowie die dazu passende Software, die es kostenlos zum Download gibt.
  • 145 Euro Anmeldegebühr: Für die Unternehmensanmeldung wird eine Gebühr fällig. Die Anmeldegebühr muss nach dem Ausfüllen des Online-Formulars überwiesen werden, damit die Registrierung weiter bearbeitet wird. Wenn Du es besonders eilig hast, gibt es für 190,-EUR auch ein Schnellverfahren.
  • Virtuelle Geschäftsadresse: Für eine Firma in Estland brauchtst Du eine Geschäftsadresse in Estland. Hier eine Auswahl an Dienstleistern, wobei ich dir die Firma LeapIN wärmstens empfehlen kann (Kosten: 18 Euro/Monat).
  • Articles of Association: Den Gesellschaftsvertrag kannst du einer Vorlage aus dem Company Registration Portal entnehmen oder in englischer Sprache selbst verfassen (lassen).
  • Gründungskapital: Normalerweise sollten in eine estländische Firma wenigstens 2500 EUR Stammkapital einezahlt werden. Erfreulicherweise muss das Geld nicht bei Firmengründung eingezahlt werden, sondern kann über 10 Jahre langsam angespart werden.

Du kannst Die Firma komplett online gründen und auch aus der Ferne verwalten. Mit der e-Residency kannst Du problemlos Deine estländische Firma verwalten, auch wenn Du Dich irgendwo in Südoastasien aufhältst. Dein persönliches Erscheinen in Estland ist nicht notwendig, mit einer Ausnahme. Und das wäre die Eröffnung eines Bankkontos in Estland.

​Die Bankverbindung für die estländische OÜ

Ohne eine Bankverbindung kannst Du mit Deiner frisch gegründeten estnischen firma wenig anfangen. Wenn Du den von mir empfohlenen Dienstleister LeapIN verwendest, solltest Du am besten eine der Bankverbindungen verwenden, die von dieser Agentur empfohlen werden. Dadurch vereinfachst Du die elektronische Buchhaltung.

LHV Bank

Am einfachsten ist es, wenn Du ein Konto bei der LHV Bank in Estland eröffnest. Dazu ist bisher noch Deine persönliche Anwesenheit in Form eines einmaligen beuschs zur Kontoeröffnung in Estland notwendig. Keine große Sache, aber bisher nicht zu umgehen. Es soll in Zukunft die Möglichkeit geben, die Kontoeröffnung per Videoident zu machen, darauf warten wir aber schon geraume Zeit. Du bekommst bei der LHV Bank ein Firmenkonto mit Mastercard und Du hast dne Vorteil, das LeapIn die Bankdaten direkt elektronisch für die Buchhaltung verarbeiten kann. Damit ist diese Lösung sehr einfach.

Holvi

Holvi ist ein finnisches Fintechunternehmen, dass explizit Konten für Kleinunternehmen anbietet und dabei ausdrücklich auch die e-Residents als Zielgruppe hat. Holvi bietet eine Buchhaltungsfunktion, die aber nicht kompatibel mit dem System von LeapIn ist. Interessant ist, dass Holvi gegen zusätzliche Gebühren auch die Einrichtung eines Shops und die Akzeptanz von ​Kreditkarten ermöglicht. Du bekommst eines oder mehrere Konten mit IBAN und einer Mastercard.

Hier findest Du mehr Informationen über Holvi für e-Residents

Transferwise

Eine gute und schnelle Lösung für den beginn ist das Transferwise Konto. Du kommt auf diese Weise schnell zu einer Bankverbindung, die Du für Deine estländische Firma nutzen

Hier findest Du einen Artikel mit Informationen zum Personal Account von Transferwise. Über die Verwendung als Business-Konto werde ich noch einen gesonderten Artikel schreiben.

Welche fortlaufenden Kosten entstehen beim Betrieb einer Firma in Estland?

Auch eine Firma in Estland verursacht laufende Kosten. Diese Kosten halten sich aber in einem überschaubaren Rahmen. Wie teuer ist genau wird, hängt von Deinem Service-Provider ab und davon, welche Dienstleistungen du auslagerst und was Du selbst machst. ich würde Dir in jedem Fall dazu raten, die Buchhaltung an einen Dienstleister auszulagern, damit es später bei der Steuererklärung keine Probleme gibt. Die Zeit, die Du sonst für Buchhaltung aufwenden müsstest, kannst Du besser in Dein eigentliches Business investieren.

Bei LeapIN musst Du mit 59,- EURO bis 99 EURO zzgl 20 % USt pro Monat rechnen. Ein überschaubarer Betrag, günstiger wird der Steuerberater ​mit Buchhaltungsservice in Deutschland normalerweise auch nicht.

Außerdem kommen noch Kosten für den Zahlungsverkehr hinzu, entscheidest Du Dich zum beispiel für das Holvi-Konto, musst Du mit weiteren monatlichen Fixkosten ab 9,90 Euro für die Kontoführung rechnen.

​Die Besteuerung der estländischen Limited.

Das Steuerrecht für Unternehmen in Estland bietet hochinteressante Optionen. Verglichen mit Deutschland ist die Besteuerung von Unternehmen in Estland lächerlich einfach. Du zahlst auf alle Unternehmensgewinne in Estland eine pauschale Steuer von 20 %, nicht mehr und nicht weniger. Egal wie hoch der Gewinn ist.Damit ist die steuerliche Belastung schon einmal wesentlich geringer als bei einer Firma in Deutschland. Andererseits sind 20 % im internationalen Vergleich immer noch relativ hoch.

Es gibt aber noch ein interessante Besonderheit

Der Gewinn aus einer estländischen Gesellschaft wird nur dann besteuert, wenn er aus dem Unternehmen entnommen wird. Sei es als Gehaltszahlung an den Geschäftsführer, sei es als Dividendenzahlung an die Gesellschaft. Man kann also über Jahre erhebliche Gewinne in Estland anhäufen, ohne dass es deswegen zu einer Besteuerung kommt. Das macht die estländische Gesellschaft auch als Vehikel für Investments interessant, da Erträge aus Kapitalerträgen ebenfalls nicht besteuert werden, solange sie in der Firma verbleiben und nicht ausgeschüttet werden.

Zahlst Du Dir selbst natürlich ein regelmäßiges Gehalt oder eine Dividende aus den Einnahmen Deiner estnischen Firma aus, so fallen natürlich mit 20 % nicht unerhebliche Steuern an. Und die ausgezahlten Dividenden oder Gehälter musst Du außerdem in Deinem Wohnsitzland zusätzlich versteuern, wenn es sich dabei um ein Land handelt, in dem Du Auslandseinkommen versteuern musst.

Interessante Wohnsitzländer mit einer Firma in Estland wären z.B:

  • Georgien
  • Philippinen
  • Thailand
  • Panama
  • Paraguay
  • ​Malaysia
  • Schweiz

Daneben musst Du natürlich auch di​e estnische Umsatzsteuer abführen, wenn Du in Estland eine Umsatzsteuernummer beantragst und/oder einen Jahresumsatz von ​40.000 Euro überschreitest.

​Für wen eignet sich die Firma in Estland?

Eine ​Firma in ​Estland kann sinnvoll sein, wenn:

  • Du viele Kunden in der E​U hast und Deine Kunden einwandfreie ​Rechnungen mit EU UStID wollen.
  • Du eine Firma suchst, die Du komplett online von jedem Ort der Welt eröffnen ​und unkompliziert verwalten kannst.
  • ​Du Deinen Wohnsitz in einem Land hast, dass keine Auslandseinkommen besteuert

Wann kommt eine Firma in​ Estland eher nicht in Frage?

  • Wenn Du nach Möglichkeit gar keine Steuern zahlen willst. In diesem ​Fall bist Du mit einer klassischen Offshorefirma wohl besser bedient.
  • Wenn Dein Hauptziel ist, möglichst wenig Steuern in der Eu zu zahlen (Da gibt es günstigere Alternativen wie z.B. Bulgarien)
  • Mit Wohnsitz in der Bundesrepublik
  • Wenn Du Wert auf Diskretion legst (In Estland ist alles ziemlich "gläsern".

Fazit: Die E-Residency ist kein Patentrezept.

Mit der E-residency hat Estland eine interessante Möglichkeit geschaffen. In Deutschland sind wir ja immer noch weit davon entfernt, irgendwelche Behördentransaktionen online per Karte abzuwickeln. Verglichen mit der Gründung und Verwaltung einer GmbH ist die estnische OÜ sicher die smartere Lösung. Aber was die Besteuerung angeht, ist durchaus noch Luft nach unten.Auch eine estnische Firma verlangt außerdem eine reguläre Buchhaltung und natürlich muss auch ein Jahresabschluss eingereicht werden. EIne gewisse Bürokratie lässt sich auch hier nicht vermeiden.

Wenn Du z.B. nur dgitale Produkte an Privatpersonen verkaufst, kann eine klassische Offshorefirma die einfachere Lösung ​sein. Aber auch innerhalb Europas gibt es preiswerte Allternativen zur Firma in Estland. Zum Beispiel in Bulgarien, Zypern, Ungarn..

Über den Autor Markus

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